Kategorie: Aufruf

  • Ungehorsam sein, unseren Widerstand auf die Straße tragen

    Am Abend des 1. Mai 2017 werden wir durch Kreuzberg demonstrieren. Kreativ und ungezwungen. Bunt und entschlossen. Mit Schwung und Fantasie. Gegen die Gentrifizierung im Kiez und die Politik der G20-Staaten.

    – 30 Jahre Revolutionärer 1. Mai. Wir freuen uns wie Bolle. –

    Die Revolutionäre 1. Mai-Demonstration ist nicht angemeldet. Wir haben nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre keine Lust mehr auf leidliche Kooperationsgespräche mit der Polizei und staatliche Demonstrationsverbote. Vergangenes Jahr war uns verboten worden, mit der Demo am Oranienplatz in Berlin-Kreuzberg zu starten. Das war uns aber schnurz, denn wir und andere Demonstrant*innen nahmen das Verbot nicht hin, trafen uns trotzdem am O-Platz und zogen von dort los. Die unangemeldete Demonstration am 1. Mai 2016 zog selbstbestimmt über das Gelände des MyFestes und dann weiter durch die Straßen unserer Viertel. Tausende haben sich daran beteiligt, darunter viele Jugendliche, Migrant*innen und unsere Nachbar*innen. So wird es auch in diesem Jahr werden. Eine unangemeldete Revolutionäre 1. Mai-Demo ist kein Einzelfall in der 30-jährigen Geschichte des Berliner 1. Mai. Zuletzt lief die Demo 2011 ohne Anmelder*in durch den Kiez. Wenn wir uns unser Recht auf Demonstration nehmen und notfalls durchsetzen werden, ist das eine zutiefst demokratische Angelegenheit.

    Die Nicht-Anmeldung 2017 ist kein besonderer Ausdruck von Militanz. Sie ist eine Folge und Weiterentwicklung der politischen Praxis seit Heiligendamm 2007. Und eine Übung für die nahe Zukunft. Denn was werden wir im Juli in Hamburg machen, wenn die Polizei zum G20-Gipfel unsere Straßen mit roten, gelben und blauen Zonen überzieht, in denen sich Trump und Erdogan treffen, Menschen shoppen gehen, aber wir nicht demonstrieren dürfen? Bei Dresden Nazifrei oder bei Blockupy gab es beispielsweise massenhaften Ungehorsam: Alle sammelten sich an abgesprochenen Orten und zogen zum gemeinsamen Ziel – ohne dies vorher mit Behörden abzusprechen, weil diese es ohnehin nicht erlaubt hätten. Wir kennen es doch aus Berlin: Eine Anmeldung schützt nicht vor willkürlichen Änderungen der Route oder Polizeiübergriffen.

    Wir sehen die Nicht-Anmeldung äußerst entspannt. Die Polizei übrigens auch. Einer ihrer Sprecher garantierte gegenüber der Presse: „Für die Sicherheitskräfte macht es keinen großen Unterschied, ob die Demonstration der Linksautonomen angemeldet wird oder nicht.“ Der neue rot-rot-grüne Senat hat kein Interesse, die Situation eskalieren zu lassen und sich konservative und rechte Häme abzuholen. Und auch uns geht es nicht um eine Konfrontation mit der Polizei, sondern um unsere Inhalte, die wir auf Bannern und in Sprechchören mitführen bzw. rufen werden. Unsere unversöhnlichen Proteste wenden sich auch gegen die Politik von Rot-Rot-Grün, die keine Lösung der Probleme anbietet, vor denen wir in Berlin und in der Welt stehen, wo es keine Skrupel gibt, im Interesse des Kapitals ganze Wohnblöcke an Investoren zu verscherbeln, Mieter*innen aus ihren Wohnungen zu vertreiben und Geflüchtete in Länder abzuschieben, wo Hunger und Krieg auf sie warten.

    Uns ist also der Ausdruck dieses ungehorsamen und widerständigen Akts wichtig: Wir wollen eine kraftvolle Demonstration, die mit politischen Inhalten und einer Breite an linken Themen und Vorschlägen überzeugt. Dabei werden wir zusammenstehen. Verlässlich, selbstbestimmt, kämpferisch und vielfältig – wie die Initiativen und Menschen unserer Stadt.

    Wir sind solidarisch mit den Kleingewerbetreibenden, mit ihren Läden im Kiez um die Oranienstraße, die aufgrund ihrer #FreeDeniz-Aushänge von nationalistischen AKP-Mitgliedern angegriffen wurden. Wir stehen auf der Seite der Marginalisierten und Unterdrückten. Wir mögen den Kotti. Wir mögen Kurdistan.

    Wir rufen alle auf, am 1. Mai 2017 um 18 Uhr nach Berlin-Kreuzberg zum O-Platz zu kommen und sich an unserem Vorhaben zu beteiligen. Der Zugang zum O-Platz wird wie in den vergangenen Jahren möglich sein. Dann wird die Demo mit vielen Tausend Menschen starten und von Kreuzberg nach Neukölln ziehen. Entschlossen und gemeinsam, offensiv und offen für alle.

    Wir werden viele sein. Und wir stehen für ein gemeinsames Handeln ein, das unsere Fantasie beflügelt. Unser Vertrauen schafft den Mut, gemeinsam und lautstark gegen die herrschende Trostlosigkeit zu demonstrieren.

    Kommt um 18 Uhr zum Oranienplatz nach Berlin-Kreuzberg und bringt Gimmicks mit: Regenschirme, Transparente, Parolen, Musik und Konfetti. Und natürlich alle Eure Freund*innen.

    Zusammen sind wir die Revolutionäre 1. Mai-Demo.

    NoG20-Block, https://1maiberlin.noblogs.org

    Quelle: http://lowerclassmag.com/2017/04/ungehorsam-sein-unseren-widerstand-auf-die-strasse-tragen

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  • Lasst uns die Offensive beginnen. Raus zum 1.Mai 2016!

    Mit dem Aufbegehren in der europäischen Peripherie gegen die herrschende Austeritätspolitik und seinem Höhepunkt in Griechenland letzten Jahres wurde der Kampf um ein anderes Europa mit aller Vehemenz in deren Machtzentren getragen. Die schwarze Null schien nicht mehr nur die einzige Alternative. Als die Flüchtenden die Mauern der Festung Europa überwanden, setzten sie den Kampf um ein anderes Europa erneut auf die Tagesordnung. Der Kampf der Flüchtlinge zeigt, dass Grenzen überwindbar sind und fordert unsere imperiale Lebensweise auf einer der letzten Wohlstandsinseln in einer aus den Fugen geratenen Welt heraus.

    ​Dies sind neue politische Herausforderungen. Und bisher werden in dieser Situation die rechten Menschenfeinde von AfD und Pegida immer größer und gewalttätiger. Trotzdem bergen diese Herausforderungen aber auch ein Chance: Eine Chance in die Offensive zu kommen und stärker zu werden. Denn der Kampf gegen die autoritäre Sparpolitik und der Kampf gegen jede innere und äußere Grenze sind untrennbare Bedingungen für ein gutes Leben für Alle. Wenn wir in die Offensive kommen wollen und die Chance nicht Pegida und AfD überlassen wollen, müssen wir die alten mit den neuen Kämpfen verbinden, müssen der von oben forcierten rassistisch- sozialen Spaltung entgegentreten.

    Der erste Mai steht für solch eine Tradition des Zusammenkommens, in der unsere klassenkämpferische Geschichte sich immer wieder mit den neuen Herausforderungen verbindet. Der erste Mai erinnert uns daran: Bei allen Unterschieden zwischen der Verteidigung besetzter Häuser, den Grenzübertritten der Geflüchteten oder der Kämpfe gegen die neoliberale Sparpolitik geht es doch um ein und die selbe Sache: Rebellion gegen den herrschenden Status Quo. Das Neue, das Alte, die Unterschiede, das Gemeinsame. Der erste Mai gehört uns. Der erste Mai steht für die unterschiedlichsten politischen Utopien und unsere Kämpfe dafür. Diese jahrhundertalten Kämpfe verbinden uns mit Gleichgesinnten auf dem ganzen Globus. Sie zeigen uns den Weg, was die Zukunft bringen kann.

    Stehen wir ein für ein Europa für Alle: ein Europa ohne Grenzen, dessen Reichtum allen gehört, egal ob von hier oder anderswo, ein Europa, in dem Menschen in Freiheit und selbstbestimmt zusammenleben, ein Europa, in dem der Pass als Erinnerung in einem Fotoalbum klebt.

    Stehen wir für eine Stadt für Alle ein, in der die soziale Infrastruktur allen zugute kommt. In der alle die gleichen Rechte und Zugangsbedingungen zu Bildung oder Arbeit haben. In der es keine Warteschlangen vor Bürgerämtern, vor dem Lageso oder sonstwo gibt, in der Wohnraum keine Mangelware ist und alle genug zum Leben haben, in der die Rathäuser, wie wir sie kennen, nur mehr Museen der alten Ordnung sind.

    Stehen wir für Solidarität ein. Dass Menschen jenseits von Herkunft, Religion oder ihrer geschlechtlichen Identitäten friedlich und in Sicherheit miteinander leben können. Denn wenn es etwas gibt, was die Herrschenden fürchten, dann ist es, wenn wir solidarisch zueinanderstehen und kämpfen.

    Lasst uns all diese Forderungen am ersten Mai auf die Straße tragen, wenn wir die Vielfalt der Kämpfe feiern. Lasst uns den ersten Mai als einen Beginn sehen, der Beginn einer Offensive. Denn so wie es ist, kann es nicht weiter gehen, konnte es noch nie, das wird immer deutlicher. There is no alternative. Wir weichen nicht zurück: In unseren Stadt-für-Alle-Bündnissen, im Sommer gegen Grenzzäune, mit Blockupy im Herbst in Berlin, und im Frühjahr 2017 gegen das Deutscheuropa des Krisen und Grenzregimes und überall. Bis die Traurigkeit ein Ende hat oder: Bis die Fröhlichkeit gewinnt!

    Brechen wir den wilden Zeiten Bahn!
    Schließt euch dem „…für Alle“ Block auf der revolutionären 1.Mai- Demonstration an.
    Bunt, entschlossen und voller Wut!

    Unterzeichner*innen:

    15M Berlin
    Berlin Migrant Strikers
    Blockupy Plattform Berlin
    interventionistische Linke Berlin
    La:Iz